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Jobst Tilmann – auf unterschiedlichen
Ebenen atmen
"Besserwisser", "Tage und Nächte", "On s'arrange toujours",
"Nervensache", "Saison", "Wie das Andere" und "Biografie für
Andere" nennt Jobst Tilmann eine Reihe von Gemäldeserien,
die in den Jahren 2000 bis 2002 entstanden sind.
Die Titel scheinen Geschichten zu erzählen, ein Blick auf
seine großformatigen Leinwände diese zurückzuweisen:
Strenge Raster, horizontale und vertikale Streifen, dazu Rechtecke
und Quadrate bestimmen das Bild. Sie laden ein zur Analyse; Systeme
wollen entschlüsselt sein.
Um die gelegentlich unerbittlich wirkenden Strukturen der Gemälde
Tilmanns zu verstehen, lohnt sich ein Verweis auf dessen frühere
Arbeiten. In den beginnenden 90er Jahren entstanden mehrteilige
Tableaus, auf denen unterschiedliche Themen abstrakter Malerei
vorgestellt werden. Malerisch aufgelockerte, wolkige Flächen
stehen neben solchen, die streng organisiert sind. Monochromie
findet ihr Gegenüber in Tafeln mit schlichten Motivansätzen.
In diesen Ambivalenzen sucht Tilmann nach der Basis, nach dem
Fundament von Malerei. Seiner Recherche legt er das Format als
Ausgangspunkt zugrunde. In der Strukturierung und Organisation
des Formates findet er seinen Weg. Er teilt die Flächen,
bildet Sektionen und gibt den so entstehenden Partien jeweils
unterschiedliche Charaktere. "Horizon Vertical" von 1991, gibt
unterschiedlich behandelte Zonen wieder. Zuerst fällt eine
vertikale Gliederung ins Auge. Bildhälfte besteht aus zwei
breiten Streifen. Einer ist hell, der andere dunkel. In die rechte,
ebenfalls helle Bildhälfte schiebt sich vom oberen Bildrand
bis ungefähr zu ihrer Mitte ein Dreieck, dessen grauer Grund
von einer dunkleren Farbschicht unterlegt und von weißen,
blockartig zusammengefassten Strichlagen überlagert wird.
Das linke Bildviertel ist zunächst flächendeckend von
flockig aufgetragener heller Farbe bedeckt. Es unterliegt einer
weiteren Teilung. Von links oben schiebt sich ein gleichmäßiges
Raster aus kleinen Quadraten in ein Viertel der Fläche. Die
helle Malerei des Streifens wird in diesem Bereich zum Bildgrund.
Auch der dunkle, sich anschließende vertikale Abschnitt
ist in sich noch einmal gegliedert. Wieder hebt sich ungefähr
ein Viertel der Fläche ab, diesmal in einem dunkleren Grau.
Während das Quadratraster den hellen Streifen in seiner oberen
Hälfte nochmals halbiert, ergänzt der hellgraue Bereich
den dunkleren Streifen in seinem oberen Viertel komplett. Am unteren
Rand liegt die dunkelgraue Farbe offen auf der nicht grundierten
Leinwand und akzentuiert so den malerischen Ansatz dieses Bildelementes.
Das Beispiel zeigt den experimentellen Charakter von Jobst Tilmanns
Malerei.
In der ebenfalls dreiteiligen Arbeit "O.T." aus dem gleichen Jahr
1991 nähert er sich der Untersuchung von Raum. Den rechten
Bereich des Gemäldes füllen zwei übereinander liegende
Quadrate, die knapp ein Drittel der Breite des Bildes einnehmen.
Das obere Quadrat zeigt eine informell malerische Substanz, das
darunter liegende eine feine, strenge Streifenstruktur. Im Zentrum
der verbleibenden Rechteckfläche liegt eine Spirale, die
aus aneinander gereihten längsrechteckigen Einzelblöcken
besteht. Ihre Glieder wirken etwas steif und ertasten den Raum
unbeholfen. Zur Erläuterung benutzt Tilmann in diesem Zusammenhang
das Bild eines Taubblinden, der sich langsam und vorsichtig fortbewegt
und an jedem Hindernis seine Richtung ändert, bis sein Weg
zu einem Ende gekommen ist.
In dem zuvor betrachteten Gemälde arbeitet der Künstler
auch in diesem Bild mit formalen Ambivalenzen. Während das
Erstgenannte Drei- und Rechteck miteinander konfrontiert, sind
hier Quadrat und – durch die Spirale angedeutet –
Kreisform aufeinander bezogen. Streng graphische Linien und Raster
stehen den chaotischen Strukturen der Malerei gegenüber,
Flächen- und Raumelemente greifen ineinander.
Um die Komplexität seines Bildrepertoires aufzuschlüsseln
und zu ergründen, entschließt sich Jobst Tilmann zu
einer radikalen Reduktion seiner gestalterischen Mittel.
In den Jahren 1993 bis 1998 stellt er ausschließlich Arbeiten
auf Papier her, in aller Regel Tuschpinselzeichnungen. Er entwickelt
horizontale und vertikale Lineaturen mit dem Ziel, sein Format,
das Blatt, zu füllen. Im Ergebnis muten diese Blätter
oft konkret oder minimalistisch an. Im Selbstverständnis
ihres Autors sind sie es nicht. Jede der Zeichnungen hat ihren
Ursprung an einer Stelle des Blattes. Von ihr aus wird in einem
ersten Schritt eine Linie gezogen. Jede weitere Linie bezieht
sich auf die vorhergehende, baut auf sie auf. Sie, nicht der Blattrand,
bildet den Maßstab. Durch die Unzulänglichkeiten der
Hand, eine Linie nicht automatengleich von A nach B ziehen zu
können, entstehen leichte Veränderungen, die den Entstehungsprozess
offen legen. Restflächen bilden sich, wo aufgrund der Verzüge
eine vollständige Linie keinen Raum mehr findet. Konsequenz
und Geradlinigkeit dieses Vorgehens sind wichtige Voraussetzungen
für Jobst Tilmann. Legt er über eine horizontal linear
gefüllte Fläche eine zweite Ebene, die z.B. vertikal
oder auch diagonal sein kann,mutet die so entstehende Struktur
wie ein Netzwerk an, dessen Linien einander durchwinden. Dieser
Anschein geht auf die Transparenz der Tusche zurück. Sie
lässt die Strukturen optisch in einer Ebene verschmelzen.Tatsächlich
aber sind die Farben wie hauchfeine Schleier übereinander
gelegt.
Dass nicht allein Überlagerungen zu räumlichen Irritationen
führen, zeigt eine 150 x 125 cm große Zeichnung aus
dem Jahr 1995. Das Blatt ist vertikal in zwei ungefähr gleich
große Hälften geteilt, die beide mit horizontal aneinander
liegenden Linien gefüllt sind. Die linke Seite wurde von
oben nach unten gezogen, die rechte von unten nach oben.Während
die Linien im linken Feld nahezu parallel zum jeweils oberen und
unteren Blattrand verlaufen, verstärken sich die Verzüge
im oberen Bereich der anderen Seite offensichtlich. Es entsteht
eine Perspektive, aufgrund derer die leicht unregelmäßige
vertikale Linie, die sich am Schnittpunkt der untereinander liegenden
Horizontalen von linker und rechter Blatthälfte bildet, als
Raumecke wahrgenommen wird. Es entsteht ein scheinbar dreidimensionaler
Bereich. Die von der früheren Spiralbewegung angelegte Ausdehnung
in der Fläche wird hier in die Tiefe fortgeführt.
Arbeiten auf Leinwand, denen Tilmann sich von 1998 an wieder zuwendet,
greifen, wie zuvor die Tuschzeichnungen, das Medium Farbe auf,
um Tiefenwirkungen zu erzeugen. Helle und dunkle Flächen,
häufig in subtilen Farbnuancen, liegen nebeneinander und
atmen auf verschiedenen Ebenen. Manche Bilder bestehen aus relativ
gleichmäßigen Rechtecken, deren Ränder leicht
ineinander verzahnt sind. In anderen Werken treten größere
und kleinere Flächen in ein spannungsvolles Verhältnis
zueinander. Allen Gemälden ist ein vielschichtiger Aufbau
der jeweiligen Farbfelder gemeinsam, der zu deren pulsierender
Lebendigkeit führt. Bei jeweils wechselnder Richtung des
Pinselstriches werden sie lasierend übereinander gelegt,
bis ein nicht immer im Detail nachvollziehbares "Farbgewebe" entsteht,
das wie im Fall der Tuschen jedoch kein Gewebe ist, sondern die
Addition unterschiedlicher Farbebenen.
Die Farbfelder eines Gemäldes weichen nicht allein aufgrund
der wechselnden Farben voneinander ab, sie differieren auch in
ihrer jeweiligen Größe. Die Differenzen beschränken
sich jedoch immer auf ein Geringes. Wieder scheint es um "natürliche"
Abweichungen zu gehen, darum, dass die Teilungen nicht nach einem
genauen Maß oder Raster erfolgen. Sie sind Annäherungen,
Ordnungen, aus der Hand entwickelt. Die Leinwand wird halbiert,
geviertelt, in acht Teile geteilt. Dabei braucht das eine oder
das andere Farbfeld etwas mehr oder weniger Raum, um sich zu entfalten.
Manchmal dehnt sich eine Farbe auch über zwei Viertel der
Fläche aus. Bleibt sie zuoberst stehen, wird das Farbfeld
entsprechend größer. Legt Jobst Tilmann eine weitere
Farbe über einen Teil davon, tritt es in den zuvor angelegten
Rhythmus zurück. Betrachtet man die Ränder der Farbfelder,
Einschnitte und Überlappungen, so drängt sich ein Vergleich
auf mit Wänden von gebrochenem Stein, die Jobst Tilmann in
Saint Restitut in Südfrankreich kennen gelernt hat. Lebendige,
dem menschlichen Maß entsprechende Flächen sind hier
zu sehen, klar strukturiert und doch unpräzise an den Abbruchkanten,
deren Rhythmus von Licht und Schatten akzentuiert wird.Auch in
den fleckigen und streifigen Oberflächen der Steinmauern
kann man Analogien zu den Erscheinungsbildern der Tilmannschen
Tafeln entdecken. Ihre Ursache liegt im Schichtenwachstum, hier
wie dort. Während die um 1998/99 gefertigten Leinwandarbeiten
trotz ihrer kräftigen Farbigkeit und ihres lebendigen Pulsierens
eine tiefe Gelassenheit, eine Art meditativer Ruhe ausstrahlen,
erscheinen die in den folgenden Jahren entstandenen Werke von
einer stärkeren, zum Teil packenden Unmittelbarkeit.
"Tage und Nächte", eine siebenteilige Reihe aus dem Jahr
2000, kann als Übergangsarbeit gesehen werden. Die vor allem
blau und gelb erscheinenden Felder lassen an Licht und Schatten
denken. Sonnendurchflutete Tage mit hellblauem Himmel und tief
schwarze Nächte sind mögliche Assoziationen.
Den aus Primärfarben aufgebauten Tafeln dient als Flächenraster
die Viertelung. Sie ist relativ konsequent durchgeführt,
denn auch dort, wo eine Farbe sich über die Hälfte des
Bildes zieht, bleibt die darunter liegende Teilung erkennbar.
Relativ ist die Flächeneinteilung auch insofern, als die
Viertel jeweils nur ungefähr einem Viertel entsprechen. Ordnungswille
und das Bedürfnis der Abweichung von eben dieser Ordnung
bilden gleich starke Kräfte. Sie werfen Fragen auf nach der
Bedeutung von Konsequenz und Logik. Als Annäherungswerte
sind diese interessant, in manchem Zusammenhang wohl auch notwendig.
Spannung und Lebendigkeit entstehen aber gerade dort,wo Abweichungen
von der Regel spürbar werden. Farbstimmungen, -temperaturen
und die Dichte der Strukturen unterstreichen diese Wahrnehmung.
Darüber hinaus veranschaulichen sie den Prozess der Formwerdung,
der hier nicht zu Ende geführt wird, sondern eine Offenheit
bewahrt, die z.B. an die eigenwillige Erzählung "Im Dickicht"
von Akutagawa Rashomon erinnert: Ein Richter befragt eine Reihe
von Personen zu einem Mordfall.Obwohl es sich jedes Mal um den
gleichen Fall handelt, bekommt er von jedem Zeugen eine anders
gefärbte und strukturierte Aussage. Es entsteht nicht der
Eindruck, dass weitere Personen zu einer Verdichtung der Handlung
beitragen könnten. Vielmehr scheint in den Berichten eine
endlose Reihe von Variationen und Akzentverschiebungen angelegt.
Die vierteilige Reihe "Besserwisser", deren Elemente sich zu dem
6 m breiten "Besserwisser- Epos" verbinden lassen, bedient sich
eines variantenreichen Farbspektrums. Dennoch hat sie bei weitem
nicht die Offenheit und Leichtigkeit der zuvor betrachteten "Tage
und Nächte" Serie. Alle Tafeln bestehen aus vier ungefähr
gleich breiten Vertikalstreifen. Sie schließen die Bilder
zu stabilen Einheiten zusammen, deren Rhythmus stakkatoartig hackend
fortschreitet. Ein Element folgt auf das nächste, rücksichtslos,
fast aufdringlich. Wechselnde Farballianzen messen ihre Kräfte.
Leichte Dominanzen in einem Segment werden von dem darauf folgenden
in die Schranken gewiesen.Wolkige Strukturen in einzelnen Farbabschnitten,
der Wechsel von Schärfe und Unschärfe zeigen andererseits
den sensiblen Umgang Tilmanns mit dem Medium Malerei. Darüber
hinaus provozieren sie die Frage, ob die strenge, harte Abgrenzung,
die den ersten Eindruck prägt, der künstlerischen Gestaltung
im Detail entspricht. Elemente wie der zweite Streifen der ersten
und der erste Streifen der dritten Variante (jeweils gelb-rot)
zeigen den Ansatz einer Öffnung und lassen Zweifel aufkommen
an einer sich zunächst anbietenden Wahrnehmung des "so ist
es". Ein ebenfalls vertikales Raster aus vier breiten Streifen
zeigt die erste Fassung des neunteiligen Zyklus "Nervensache".
Alle Variationen gehen auf ein schwarzes Raster zurück, das
von gelben und weißen Formen überlagert wird. Obwohl
die Tafeln mit einem Format von 150 x 175 cm leicht rechteckig
sind, dient jeweils das Quadrat als Modul der Formfindung. Der
oben beschriebenen Vertikalteilung folgt eine Gliederung in horizontale
Streifen. Aus der Überlagerung beider Möglichkeiten
entstehen leicht "gestauchte" Quadrate.
Unterschiedliche Linien- und Farbdichte in einzelnen Teilbereichen
des Systems führen zu starken Bewegungen innerhalb der Rasterfelder,
die so als interaktive Ebenen erfasst werden können. Das
von den Farben reflektierte Licht gibt diesen eine intensive,
vibrierende Präsenz, die allerdings weniger als Bestätigung
denn als Herausforderung der Wahrnehmung fühlbar wird. Gemessen
an der "Besserwisser-Serie" oder den "Nervensache-Tafeln" strahlt
die Reihe "On s'arrange toujours" einen geradezu freundlich anarchischen
Charakter aus. Nicht alle Bildbinnenfelder sind von einem schwarzen
Raster unterlegt, nicht alle der strengen Geometrie von Rechteck
bzw. Quadrat unterworfen. Schwebend anmutende Module in den Grundfarben
Blau, Rot und Gelb lösen sich aus den Ordnungen. Sie treten
als mobile Elemente auf, die in einer zweiten Ebene miteinander
korrespondieren. Die Systeme wirken nur scheinbar unabhängig
voneinander, denn die Quadrate werden, so der Maler, nachdem die
frei wirkenden Module in das Format eingespielt sind, anhand eines
imaginären Rasters in ein zuvor festgelegtes Verhältnis
zu den primärfarbenen Elementen gesetzt.
Fester in ein vielteiliges Quadratraster eingebunden sind die
ausschließlich grauen Flecke, die die zweite Ebene der vierteiligen
Serie "Saison" bilden. Jenseits der Ordnung scheinen sich allerdings
subversive Kräfte zu entwickeln, denn die Module geben ihren
Halt im Rahmen des Bildsystems auf, drängen und schieben
sich in und unter die ihnen nächst liegenden Felder. Jobst
Tilmann greift mit diesen Werkgruppen einen Gemäldetyp auf,
den er um 1993/94 in verschiedenen Tuschzeichnungen auf Bütten
vorbereitet hat. Ein 120 x 80 cm großes Blatt von 1993 zeigt
unzählige Punkte, die, obwohl sie in schlichten Reihen angelegt
scheinen, das Auge durch unzählige Binnenstrukturen und ein
fast unerträgliches Flimmern irritieren. Quadratraster mit
eingeschriebenen "Flecken" zeigt ein identisches Format aus dem
gleichen Jahr, während eine Tuschzeichnung von 1994 große
Farbflecken sich über einem gleichmäßig kleinen
Quadratraster entwickeln lässt. In den früheren Arbeiten
sind die Systeme einander strikt zugeordnet oder fallen gänzlich
auseinander. Die Leinwandarbeiten jüngeren Datums gehen immer
von aufeinander bezogenen Systemen und Ebenen aus. Spiegelungen,
das Kontern von Konstellationen,Umkehrungen usw. betreffen alle
Schichten dieser Malerei und fordern das Auge auf, den Wechsel
spielerisch mit zu vollziehen. Dass einzelne Bildmotive wie das
Rot der zweiten Variante uns als farbgefilterte Demonstration
eines Pinselstriches einladen, über die Genese von Malerei
nachzudenken, dürfte dem Ansatz Tilmanns entsprechen und
gibt den Arbeiten eine zusätzliche Spannung.
Weitere Bildebenen werden in der Reihe "Wie das Andere" 9 eingeführt.
Die beweglichen, malerisch freien Module, die das Bildraster zuvor
aufgebrochen und unterlaufen haben, können sich hier, z.B.
in Variante 6, auch über der Quadratstruktur entfalten.Tempo
und Selbstbewusstsein der Lineaturen wechseln in dieser Serie
stärker als in den zuvor betrachteten. Prozessual bedingte
malerische Verdichtungen, die unabhängig von der Komposition
entstehen,werden so nachhaltiger wahrgenommen, genau wie die Restflächen
von Leinwand, die in einer Umkehrung des tatsächlichen Vorgehens
gestaltet erscheinen. Neu sind auch präzise abgegrenzte Quadrate,
die wie transparente Farbfolien glänzend auf der Leinwand
stehen und die Farbfelder, Druckerzeugnissen vergleichbar, zu
rationalisieren scheinen. Das Verfahren ist in der Reihe "Biografie
für Andere" perfektioniert. Obwohl die fünf, nun vollständig
in das Quadrat überführten Tafeln sehr gefügt wirken,
lässt eine offene, transparente Dunkelheit die Farben leben
und strahlen und gibt ihnen eine starke, tiefe Kraft. Dass das
bisher als strenges Ordnungssystem begriffene schwarz angelegte
Grundraster eines jeden Feldes nun als den Farben unterlegter
Hinweis auf die unmittelbare Handschrift des Malers lesbar wird,
mutet beinah ironisch an. Nachdrücklich belegt es jedoch
die Sinnhaftigkeit von Jobst Tilmanns Ansatz, seine Bildfindungen
radikal zu vereinfachen, um so den grundlegenden Fragestellungen
von Malerei nahe zu treten.
Britta E. Buhlmann
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